Wem gehört Ihre Website? Domain, Code und Inhalte erklärt

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Wem gehört Ihre Website? Domain, Code und Inhalte erklärt

Die meisten Unternehmen gehen davon aus, dass ihnen ihre Website gehört. Tatsächlich verteilt sie sich auf vier Bestandteile, und Agenturen halten oft mindestens einen davon. So prüfen Sie es.

Die Frage stellt sich immer im ungünstigsten Moment. Sie wollen die Agentur wechseln, der Entwickler Ihrer Website meldet sich nicht mehr, oder Sie bekommen für eine kleine Änderung ein überzogenes Angebot. Und dann zeigt sich: Die Antwort auf „Das ist doch unsere Website, oder?“ ist komplizierter als gedacht.

Eine Website ist nicht ein einziges Ding. Sie besteht aus mindestens vier getrennten Bestandteilen an vier verschiedenen Orten. Ein Unternehmen kann drei davon besitzen und trotzdem nicht wechseln können. Dieser Artikel zeigt, welche vier das sind, wie Sie jeden davon heute prüfen und worauf Sie in künftigen Verträgen bestehen sollten.

Die vier Bestandteile

1. Die Domain

Der wichtigste Bestandteil, und der, der am häufigsten jemand anderem gehört. Eine Domain ist auf eine Person oder ein Unternehmen registriert. Wer als Domaininhaber eingetragen ist, verfügt über sie. Hat Ihre Agentur die Domain für Sie registriert und sich selbst als Inhaber eingetragen, gehört ihr Ihre Adresse, egal wer bezahlt hat.

Das wiegt schwerer als alles andere zusammen. An der Domain hängen Ihre E-Mails, Ihre Platzierungen in Suchmaschinen und jeder Link, den je jemand auf Sie gesetzt hat. Eine Website lässt sich in Wochen neu bauen. Eine Domain, die Sie nicht zurückbekommen, ist endgültig weg.

2. Das Hosting-Konto

Hier liegen Dateien und Datenbank. Oft ist es das Konto der Agentur, und Ihre Website ist eine von vielen darauf. Das ist nicht automatisch ein Problem, viele gute Agenturen bieten Hosting mit an. Es heißt aber: Ohne deren Mitwirkung kommen Sie nicht an Ihre eigenen Dateien, können kein eigenes Backup ziehen und nicht umziehen.

3. Code und Design

Theme, Vorlagen, individuelle Funktionen und die Designdateien. Nach dem Urheberrecht hat zunächst die Person, die etwas geschaffen hat, die Rechte daran. In Österreich (UrhG) wie in Deutschland lässt sich das Urheberrecht selbst nicht übertragen. Übertragen werden Nutzungsrechte: in Österreich als exklusives Werknutzungsrecht oder als einfache Werknutzungsbewilligung. Wie weit diese Rechte reichen, sollte schriftlich geregelt sein. Eine bezahlte Rechnung allein gibt Ihnen nicht automatisch alle Rechte.

In der Praxis räumen die meisten Agenturen stillschweigend ein Recht ein, das Gebaute zu nutzen, und Streit ist selten. Aber „Wir dürfen es verwenden“ und „Wir dürfen es verändern und jemand anderem zur Weiterarbeit geben“ sind zwei verschiedene Positionen. Nur die zweite erlaubt Ihnen den Wechsel.

4. Die Inhalte

Texte, Fotos, Logo, Videos. Meist der klarste Teil, weil Sie das meiste selbst geliefert haben. Die Ausnahmen sollten Sie kennen: Texte, die die Agentur geschrieben hat, Stockfotos, die auf die Agentur statt auf Sie lizenziert sind, und ein Logo, das im Rahmen des Auftrags entworfen wurde. Gerade Stockfoto-Lizenzen sind oft nicht übertragbar. Die Bilder auf Ihrer Website dürfen dann rechtlich nicht mit umziehen.

So prüfen Sie es heute

Zwanzig Minuten, und Sie wissen genau, wo Sie stehen.

Die Domain

Schlagen Sie Ihre Domain in einer Whois-Abfrage nach. Daten von Privatpersonen sind wegen der DSGVO geschwärzt, der Registrar ist aber in der Regel sichtbar. Melden Sie sich dann bei diesem Registrar an. Können Sie das nicht, weil Sie dort kein Konto haben, ist das Ihre Antwort.

Für .at-Domains ist nic.at die Registrierungsstelle und bietet eine eigene Whois-Abfrage, für .de-Domains ist das die DENIC. Bei den meisten anderen Endungen führt der praktische Weg über das Kundenkonto beim Registrar.

Das Hosting

Haben Sie einen Zugang zu einem Hosting-Verwaltungsbereich? Der WordPress-Login zählt hier nicht. Im Hosting-Bereich kommen Sie an Dateien, Datenbank und Backups.

Die Website selbst

Haben Sie auf Ihrer eigenen Website ein Administrator-Konto, nicht nur ein Redakteur-Konto? Können Sie ein Plugin installieren? Wenn nicht, hat man Ihnen einen Sitzplatz gegeben, nicht die Schlüssel.

Der Vertrag

Durchsuchen Sie, was Sie unterschrieben haben, nach „Rechte“, „Nutzungsrecht“, „Werknutzungsrecht“, „Eigentum“ und „Urheberrecht“. Schweigt der Vertrag dazu, gelten die allgemeinen Regeln. Und die sind eher auf der Seite derer, die das Werk geschaffen haben: Im Zweifel bekommen Sie nur die Rechte, die für den Vertragszweck nötig sind.

So sieht eine faire Regelung aus

Diese Regelung dürfen Sie erwarten, und eine Agentur kostet sie nichts:

  • Die Domain ist auf Ihr Unternehmen registriert, in Ihrem eigenen Konto, mit Ihnen als Rechnungsempfänger. Die Agentur bekommt Zugriff, nicht das Eigentum.
  • Das Hosting läuft auf Ihren Namen, oder es gibt die schriftliche Zusage, auf Wunsch innerhalb einer festgelegten Frist einen vollständigen Export zu übergeben.
  • Umfassende Nutzungsrechte an Code und Design gehen mit der Schlusszahlung auf Sie über, schriftlich, in Österreich als exklusives Werknutzungsrecht inklusive Bearbeitung. Eine Agentur darf ihre eigenen wiederverwendbaren Bausteine und Frameworks behalten. Alles, was für Ihr Projekt entstanden ist, sollte aber Ihnen zur Verfügung stehen.
  • Ihre Inhalte bleiben Ihre, und Stockfoto-Lizenzen werden auf Ihren Namen gekauft oder aufgelistet, damit Sie wissen, was Sie bei einem Wechsel ersetzen müssen.
  • Administrator-Zugang zu Ihrer eigenen Website vom ersten Tag an.

Eine Agentur, die sich gegen all das sträubt, schützt ein Geschäftsmodell, das auf Wechselkosten beruht statt auf guter Arbeit.

Wenn Sie schon festsitzen

Bitten Sie sachlich und schriftlich um den Transfercode (Authcode) der Domain, einen vollständigen Export von Dateien und Datenbank und eine Bestätigung Ihrer Rechte am Code. Meistens bekommen Sie das auch. Meistens hat niemand etwas zurückgehalten. Es hat sich einfach so ergeben.

Stoßen Sie auf Widerstand, hängt Ihre Position an der Domain. Dateien und Design sind ersetzbar: Die Website lässt sich neu bauen, und die Inhalte lassen sich aus den Live-Seiten und aus Web-Archiven zurückholen. Die Domain ist nicht ersetzbar, und mit ihr verlieren Sie Ihre E-Mail-Adressen.

Wenn Sie also um eine Sache kämpfen, dann um die Domain. Für Domainstreitigkeiten gibt es eigene Verfahren, und wer eine Domain im Auftrag eines zahlenden Kunden auf sich selbst registriert hat, steht schwach da. Das ist allerdings ein Fall für eine Anwältin oder einen Anwalt und nicht für einen E-Mail-Verlauf.

Dazu gehört auch: Die allermeisten dieser Fälle sind keine böse Absicht. Sie entstehen, wenn zu Beginn niemand darüber gesprochen hat. Die Lehre gilt dem nächsten Vertrag, nicht dem letzten.

Was das für Ihr nächstes Projekt heißt

Stellen Sie vor der Unterschrift drei Fragen und lassen Sie sich die Antworten schriftlich geben:

  1. Wer wird als Domaininhaber eingetragen?
  2. Welche Rechte habe ich genau, wenn die Schlussrechnung bezahlt ist?
  3. Wenn ich in zwei Jahren wechsle: Was bekomme ich, und wie lange dauert es?

Klare Antworten in ein paar Minuten sind ein gutes Zeichen. Ausweichende Antworten sind auch eine Antwort.

Bei unseren Projekten wird die Domain auf den Kunden registriert. Das Hosting kann bei Ihnen oder bei uns liegen, und Sie können mit der Website jederzeit zu einem anderen Anbieter wechseln. Die Rechte an Design und Code gehen mit der Schlusszahlung an Sie über, und einen vollständigen Export bekommen Sie auf Wunsch kostenlos. Uns ist lieber, Kunden bleiben, weil die Arbeit gut ist.

Wie wir Ihr Projekt planen und den Umfang festlegen, besprechen wir, sobald wir wissen, was Sie brauchen. Starten Sie Ihr Projekt, und wir melden uns innerhalb eines Werktags, um Möglichkeiten, Budget und Zeitplan zu besprechen.

Dies ist eine allgemeine Information darüber, wie solche Vereinbarungen üblicherweise laufen, und keine Rechtsberatung. Stecken Sie bereits in einem Streit, wenden Sie sich an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

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Ramazan AkpinarGründer und Inhaber von FASANNET. Entwickelt Websites, Web-Apps und Automatisierungen für Unternehmen in ganz Europa und schreibt hier über das, was in Projekten auftaucht.

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